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Tablets in der Schule, Was die Nutzung im Unterricht bedeutet.

Tablets in der Schule: Weniger ist mehr 

Tablets lassen sich in der Grundschule vielfältig einsetzen. Anders als zu Hause werden Kinder dabei nicht alleine gelassen. Pro und Contra: Wir beleuchten in den nächsten Wochen die positiven aber auch negativen Einflüsse vom Einsatz im Unterricht. Sind Tablets wirklich Hoffnungsträger?

Redaktion 7 Monaten vor 0 140

Tablets im Unterricht, Tablets in der Schule

An der Obermayr Europa-Schule in Wiesbaden ist der Einsatz von digitalen Medien im Grundschulalltag immer wieder Thema. Im Umfeld fragen immer wieder Eltern danach, ob und ab wann dies sinnvoll sei. Martin Andiel, Lehrer an der Obermayr Europa-Schule, hat sich mit dem Thema intensiv auseinandergesetzt. Heute und in den folgenden Wochen werden wir auf Eduaktiv seine Überlegungen teilen.

Hoffnungsträger

In Überlegungen zu einer Fachdidaktik, die moderne Kommunikationsmittel und Möglichkeiten des Internets in den Unterricht integrieren will, spielt das Tablet die Rolle eines Hoffnungsträgers. Einfach zu bedienen, graphisch und akustisch dem Buch oder Arbeitsblatt überlegen, für den Zugriff auf weiterführende Informationen und Übungen offen, scheint das Tablet die Lösung für viele praktische Umständlichkeiten zu sein, die in der Schule zum Alltag gehören. Bücher oder Materialien werden vergessen oder man hat die falschen dabei, der Kopierer oder der Drucker funktionieren nicht, die Hausaufgaben liegen noch zu Hause, der Kugelschreiber schreibt nicht, das Heft ist nass geworden. 

Motivation

Das Tablet scheint deshalb die Lösung zu sein, weil man hier alles an einem Ort hat: Schulbücher als E-Books, Hefte als Textdateien, Arbeitsblätter in der Schul-Cloud (Conseles), Tabletstifte, die immer schreiben, und zusätzlich Lern-Apps oder Lern-Portale, Videos, Grafiken, Wörterbücher, Taschenrechner, Suchmaschinen sowie der direkte Zugriff auf das Internet und seine Inhalte. Ein Unterricht, der diese Möglichkeiten nutzt, verspricht eine stärkere Motivation der Schüler sowie eine größere Vielfalt der Unterrichtsmethoden und der Lernmaterialien für die Lehrer. Größere Anschaulichkeit, immersive Verfahren der virtuellen Realität, direktes Feedback über den Lernerfolg sind Aspekte, die das Versprechen eines effektiven Lernens noch verstärken. Sollte Künstliche Intelligenz in naher Zukunft pädagogisch und didaktisch wertvoll werden, wird sie Vertreter finden, die ihren regelmäßigen Einsatz in der Schule fordern. Dann spielen das Tablet oder der PC eine noch größere und wichtigere Rolle, wenn es um die Zukunft der Schule geht. 

Lebenswirklichkeit

Demgegenüber wird der reale lebensweltliche Kontext, in dem das Lernen mit dem Tablet stattfinden soll, meist wenig beachtet. Auch spielen Fragen zur Lernpsychologie oder zur Leseforschung eine eher untergeordnete Rolle. Betrachtet man aber die Frage nach einem Einsatz von Tablets im Unterricht realistisch und mit Distanz, fallen rasch kritische Punkte auf, die gegen das Tablet als ideales Lernmedium sprechen. Besonders gravierende Einwände sind dabei, dass (1) der Umgang mit Tablets vor ihrer Nutzung in der Schule in einer Praxis der Kommunikation, des Konsums und der Unterhaltung eingeübt worden ist, die sich konträr zur Praxis der Schule verhält, dass (2) der Einsatz von Tablets in der Schule eine ideale soziale Struktur außerhalb der Schule voraussetzt, die real nicht gegeben ist, dass (3) das Leistungsversprechen von Tablets real nur zu einem hohen finanziellen, datenschutzrechtlichen und redaktionellen Preis zu haben ist sowie eine konsumistische statt kritische Medienbildung fördert, dass (4) das schwerpunktmäßige Arbeiten mit dem Tablet negative Konsequenzen für die Schreibfähigkeit und (5) für die Lesefähigkeit von Schülern hat. Diese kritischen Punkte sprechen – falls überhaupt – nur für einen sehr begrenzten, streng zweckorientierten und kontrollierten Einsatz von Tablets im Unterricht. Im Falle des Deutschunterrichts sprechen sie gar gegen einen Einsatz. 

Nächsten Montag lesen Sie hier, wie Tablets eine Lebenswirklichkeit abbilden, die in der Schule störend empfunden wird.

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