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Schüleraustausch mit Frankreich und Spanien

„Wir haben das Land ins Herz geschlossen“

Schüleraustauschprogramme und Klassenfahrten ins Ausland stehen an einer Europaschule immer unter dem Aspekt der Völkerverständigung – auch im Campus Erbenheim. Es geht darum Geschichte zu erleben und Menschen zu begegnen.

Einmal zu Gast sein in einer Familie, sich deren Rhythmus und Tonfällen anzuvertrauen, das schafft Vertrauen auf dem Beziehungen und Freundschaften entstehen können, die noch lange begleiten und natürlich eine unschätzbare Motivation bilden, die Sprache möglichst gut zu lernen.

Unsere Lehrkräfte sind sich dieser Bedeutung bewusst und wählen daher die Familien mit viel Bedacht persönlich aus. Denn die Familien im Gastland dienen auch dazu, den Jugendlichen Aspekte des Gastlandes nahe zu bringen, die sich dem einfachen Touristen nicht so leicht erschließen.

Madrid statt Mittelmeer

Einen Schüleraustausch mit einer Schule in Spanien gibt es seit 2012 – und zwar mit der IES Tirso de Molina in Madrid, eine staatliche Schule mit Mittel- und Oberstufe.

„Da von den Lehrkräften an unserer Schule keine persönlichen Kontakte zu einer spanischen Schule bestanden, haben wir uns in Spanien an einer offiziellen Stelle beworben und bekamen dann diese Schule zugeteilt“, erzählt die Spanischlehrerin Corinna Joisten.

Dass die Schule in Madrid und nicht an der Küste liegt, finde sie besonders günstig, sagt die Pädagogin, denn viele der Schüler und Schülerinnen seien schon in Spanien im Urlaub gewesen und kennen daher verschiedene Küstenregionen und Urlaubsgebiete. Madrid – im Landesinneren zeige ihnen darüber hinaus ein ganz anderes Spanien. „Und ist so reich an Kunststätten und historischen Denkmälern dass man die Stadt eigentlich gar nicht verlassen müsste und trotzdem ein volles Programm hätte“, sagt Joisten, die von Anfang an bei der Organisation dabei war. Trotzdem sei aber ein Ausflug nach Toledo auf jeden Fall eingeplant.

Das Ziel: Freundschaft schließen

„Unser Ziel ist es, dass dauerhafte Freundschaften aus den gegenseitigen Besuchen entstehen“, fügt sie hinzu. Deshalb sucht Joisten die Gastfamilien und Gastgeschwistern sehr aufmerksam aus. Wer am Austausch teilnimmt, der gibt an, was für Hobbies er oder sie hat, was er oder sie besonders oder ganz und gar nicht mag, welche Interessen sie haben. Das ist für die Auswahl der „Partner“ ganz wichtig, sagt sie, „schon damit sie etwas haben, worüber sie sich gern unterhalten.“ Und bislang hat sie ein gutes Händchen bewiesen: „Einige Gasteltern und Schüler haben sich schon echt ins Herz geschlossen.“

Die Lehrkräfte sind die ganze Zeit mit den Schülern und Schülerinnen zusammen, wenn diese nicht gerade Zeit in ihren Gastfamilien verbringen. „Wir waren auch mit im Unterricht“, erinnert sich Corinna Joisten. „Der normale Fachunterricht war frontaler als wir es hier kennen. Bei den Klassenarbeiten wurde viel auswendig Gelerntes abgefragt“, sagt sie. Aber das sei nur ein persönlicher Eindruck und nicht als Pauschalurteil über spanischen Unterrichtsstil generell zu verstehen.

Umgekehrt waren „die Spanier“ überrascht über so viel Lockerheit und guter Laune an der Schule in Deutschland. „Ich glaube, sie haben sich Deutschland und die Schule insbesondere sehr viel strenger und ernster vorgestellt“, sagt Joisten.

Geschichte mit Leben füllen – das geschieht bei so einem Austausch ganz nebenbei, erklärt Joisten. Wenn etwa die spanischen Lehrerinnen – eine unterrichtet in Spanien Englisch, die andere Geschichte und Kunstgeschichte – beim Besuch von Worms etwas über die Reformation erzählt. Dann werden die Fakten, die sie bislang nur aus Büchern kennen, zu einem Stück Realität. Ähnlich geht es auch den deutschen Jugendlichen in Spanien, die maurische Einflüsse in Madrid finden werden. Die spanische Kollegin hat die Gelegenheit beim Besuch von Worms genutzt, um etwas über Luther und die Reformation zu erzählen.

D-Day in der Normandie

Ähnliches berichtet auch Pauline Tolon von dem Besuch ihrer Schüler in der Normandie. „Bis vor vier Jahren fand der Austausch mit einer Schule in Paris statt“, erzählt sie. „Als unsere Kontaktperson von Paris in die Normandie gewechselt hat, haben auch wir die Partnerschule gewechselt“, sagt sie, und ist froh darüber. Natürlich ist Paris ein attraktives Reiseziel mit unzähligen Sehenswürdigkeiten. Aber Paris ist natürlich für jeden, der sich dafür interessiert, leicht zu erreichen. Die Schule in der Normandie bietet hingegen einen viel tieferen Einblick in die französische Mentalität, einen ganz anderen Zugang zu Franzosen, die nicht täglich Strömen von Touristen begegnen und darüber hinaus historische Orte, die man vielleicht sonst nicht mehr besuchen wird.

Insbesondere der Ausflug zum Strand, an dem die Alliierten am D-Day, dem 6. Juni 1944 landeten, hat die Jugendlichen sehr beeindruckt. „Ich hatte den Eindruck, dass sie schon bei der Vorbereitung im Unterricht sehr konzentriert und interessiert bei der Sache waren“, sagt Tolon. Als die Gruppe dann schließlich vor Ort war, habe sie geradezu spüren können, wie viele eine Gänsehaut bekommen haben. „Wir waren in den Gefechtsständen, die teilweise ja noch so stehen, wie sie damals waren. Man hat einen wunderbaren Blick auf den einsamen Strand. Unten ritten ein paar Menschen auf Pferden vorbei. Es war ein außerordentlich friedlicher Moment – und dann die Erinnerung an ein solches Blutvergießen.“ Tolon ist sich ziemlich sicher, dass die Jugendlichen diesen Eindruck nicht so schnell vergessen werden und selbst wenn sie die Bedeutung heute noch nicht in seiner ganzen Tragweite verstehen, werden sie sich daran erinnern, wenn sie wieder damit konfrontiert werden.

Den Schüleraustausch mit Frankreich organisiert Pauline Tolon. Seit 2010 heißt das Ziel: Saint- Sauveur und Portbail in der Normandie.

Für den Austausch mit Spanien engagieren sich Corinna Joisten und Sandra Córdova.

Bildnachweis: Foto oben: Christian Schwier/fotolia; Foto Mitte: anna_murashova/fotolia; Foto unten: JeniFoto/shutterstock