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„Mich bringt keiner mehr auf die Palme!“

Portrait Wolfgang Pecher

Er lehrt seit 22 Jahren an der Obermayr Europa-Schule – und ist immer noch mit Freude dabei. Was Wolfgang Pecher vom Mauerfall lernte, und warum er heute noch begeistert ist, wenn einer seiner Schüler Wirtschaft studiert.

Das Ganze ist mittlerweile ziemlich lange her: Angefangen hat Wolfgang Pecher 1992, als sich das berufliche Gymnasium der Obermayr Europa-Schule noch in der Bierstadter Straße befand. Damals, so erinnert er sich, gab es gerade mal dreißig Mitarbeiter an der ganzen Schule. Seitdem ist der zweifache Vater Lehrer am beruflichen Gymnasium und unterrichtet Wirtschaftslehre, Rechnungswesen und Datenverarbeitung. Seit sechs Jahren unterrichtet er zudem auch das Fach Ökonomie in der Realschule.

Pecher gehört zu den vielen Menschen in der Obermayr Europa-Schule mit einem spannenden Lebenslauf. Zunächst schloss er nach seiner eigenen Schulzeit eine Ausbildung als Verwaltungsfachangestellter ab – um dann bei seiner ersten Arbeitsstelle festzustellen, dass er sich nicht gut vorstellen konnte, damit den Rest seines Lebens zu verbringen.

Der Mauerfall brachte ihn nach Osten

Ein Studium der Volkswirtschaft folgte. Pecher bestand genau am Tag des Mauerfalls seine letzte mündliche Prüfung an der Hochschule. Der Mauerfall, die Öffnung zur ehemaligen DDR und einige glückliche Fügungen führten ihn in eine Hotelfachschule nach Berlin, die großen Bedarf an Lehrkräften hatte.

Und da muss es wohl passiert sein, dass er merkte, dass der Beruf des Lehrers seine wirkliche Berufung ist. „Man muss sein Fach lieben und das auch rüberbringen können“, sagt der 52-Jährige. „Bei Buchhaltung und Rechnungswesen stellt man sich das vielleicht nicht immer so einfach vor, doch: Ich habe das selbst immer gerne gemacht“, sagt er. „Dass das Ganze so logisch und in sich schlüssig ist, hat mir gefallen. Man muss diszipliniert und konzentriert sein, denn wenn man mittendrin abbricht oder in Gedanken abschweift, muss man schnell nochmal ganz von vorne anfangen“, erklärt Pecher. „Daher ist es ein gutes Fach, um genau das zu üben: Disziplin und Konzentration. Und wenn das gelingt, dann freut es einen natürlich auch selbst.“

„Die Schüler sollen sich begeistern!“

Auch gerade wieder. In den aktuellen Klassen läuft es „wirklich toll!“, wie Pecher schwärmt. Er hat viele Schüler, die sich begeistern lassen. „Da spielt häufig natürlich auch das Umfeld eine Rolle. Wenn etwa die Eltern selbständig sind, wächst häufig auch bei den Kindern ein Interesse daran, die Zusammenhänge der Wirtschaft zu verstehen: Wie zum Beispiel ein Markt funktioniert, warum die Preise steigen.“

Pecher hat ein gutes Verhältnis zu seinen Schülern und Schülerinnen. Wie ihm das gelingt? „Dafür ist meines Erachtens wichtig zu signalisieren: Wir wollen alle dasselbe, nur bin ich eben fachlich etwas fitter. Die Schüler und Schülerinnen wollen ernst genommen und akzeptiert werden.“

Natürlich testen die Jugendlichen ihre Lehrer auch aus – sie wollen einfach wissen, wie weit sie gehen können, ob sie einen aus der Fassung bringen können. Da ist es sehr wichtig, auch zugeben zu können, dass man einmal einen Fehler gemacht hat. Dass man eben auch Mensch ist, so Pecher. „Ich bin heute souveräner und gelassener als je zuvor – und habe deshalb die Möglichkeit, mich selbst in Frage zu stellen. Ich kann auch mal über mich selbst lachen“, sagt Pecher und lehnt sich zurück.

„Hier braucht sich keiner zu verstecken!“

Man muss auch vor Augen haben, dass Schüler sich noch entwickeln. „Wenn man Kinder auf dem Spielplatz beobachtet, wie egozentrisch die sind – dann begreift man erst langsam, wie weit der Weg ist zu erwachsenen Persönlichkeiten, die das Ganze im Blick haben“, sagt Pecher. „Ich selbst habe ja auch schon einen langen Weg zurückgelegt!“

Auch mit Konflikten in der Klasse geht der Pädagoge inzwischen anders um. „Ich glaube nicht, dass man mich heute noch auf die Palme bringen kann. Ich versuche, immer ruhiger zu werden“, sagt der Pädagoge und lacht.

Sehr wichtig ist ihm der gute Draht zu den Eltern. Wenn die Schüler wissen, dass ihre Eltern schon über manche Ergebnisse von Klassenarbeiten Bescheid wissen, wenn sie nach Hause kommen, verhalten sie sich anders, als wenn sie davon ausgehen, dass vielleicht irgendwann später mal eine Reaktion kommt.

„Das Lehrersein ist nicht einfach, aber mir macht es Spaß“, sagt Wolfgang Pecher. Kürzlich hat ihm ein Schüler gesagt: „Ich studiere jetzt Wirtschaft, und der Unterricht beim Pecher, der hat mir echt geholfen!“ Über solche Sätze freut sich Pecher ganz besonders. Sein Ziel ist es, dass seine Schüler mit dem Wissen, das sie sich hier aneignen, im Grundstudium ein leichtes Spiel haben. „Was wir hier machen, ist die Grundlage dafür. Zusammen mit dem, was sie auch in Mathematik lernen, können sie da gut durchkommen!“

Und schließlich: Am Campus Erbenheim gefällt ihm besonders die Überschaubarkeit. Man kennt die Schüler, man kennt sich unter allen Lehrern. „Das Kollegium ist sehr angenehm“, sagt Pecher, „und dazu außerordentlich kompetent. Hier braucht sich keiner vor dem anderen zu verstecken!“

Bildnachweis:  Foto oben: ra2studio/shutterstock; Portrait W. Pecher: Europa-Schule Dr. Obermayr e. V. Foto unten: Pressmaster /shutterstock