Bilingual Education Conference
Es beginnt mit Kaffee, Gesprächen und einer leisen Erwartung. Dann wird es schnell grundsätzlicher. Bei der Bilingual Education Conference an der Obermayr International School Schwalbach geht es nicht um Vokabeltests oder Lehrpläne. Es geht um die Frage, wie Sprache überhaupt entsteht – und warum Unterricht oft genau daran scheitert.
Schulleiter Dr. Gerhard Obermayr macht gleich zu Beginn klar, worum es ihm geht: Sprache wachse nicht aus dem Lehrbuch, sondern aus Beziehungen. Wer kommuniziert, lernt. Wer nur zuhört, bleibt außen vor. Eine einfache Beobachtung – und doch eine, die im Schulalltag häufig untergeht.
Zwischen Immersion und Realität
Die Konferenz knüpft an eine lange Tradition an. Seit Jahren diskutieren Lehrkräfte im Rahmen der Bilingual Education Conference über Immersion und CLIL – also darüber, wie Fachinhalte und Sprache zusammenfinden. Für Obermayr ist klar: Erst eintauchen, dann strukturieren. Sprache müsse erlebt werden, bevor man sie analysiert.
Das klingt logisch. Doch der Alltag sieht oft anders aus. „Einer redet, der Rest ist ruhig“, beschreibt Obermayr eine typische Unterrichtssituation. Kommunikation? Fehlanzeige. Stattdessen herrscht Monolog – effizient vielleicht, aber selten nachhaltig.
Die Konferenz will genau hier ansetzen. Sie fordert mehr Austausch, mehr Aktivität, mehr Mut zur Unordnung. Denn Lernen, so die These, entsteht nicht aus Perfektion, sondern aus Bewegung.
Weniger Klicks, mehr Köpfe
Ein Thema zieht sich durch viele Beiträge: der Umgang mit digitalen Tools. Obermayr blickt skeptisch auf den Einsatz von Fragengeneratoren und automatisierten Antworten. Zu oft lenken sie ab, statt zu fördern.
Die Kritik trifft einen Nerv. Wenn Aufgaben von künstlicher Intelligenz gelöst werden, bleibt vom Lernprozess wenig übrig. „Was am nächsten Tag im Unterricht vorliegt, ist oft nicht mehr die Leistung der Schüler“, heißt es sinngemäß. Die Konsequenz überrascht: zurück zu Papier, Stift und direkter Interaktion. Nicht aus Nostalgie, sondern aus Überzeugung. Denn wer schreibt, denkt. Wer spricht, versteht.
Störung als Chance
Dass Unterricht selten reibungslos läuft, zeigt ein weiterer Schwerpunkt der Konferenz. Psychologin Stephanie Mock-Haugwitz dreht die Perspektive um: Nicht nur Schüler stören – auch Lehrkräfte tun es. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Wie verhindere ich Störungen? Sondern: Was kann ich aus ihnen machen? Hinter auffälligem Verhalten stecken oft Bedürfnisse, Emotionen oder schlicht Langeweile. Wer das erkennt, kann reagieren – und den Unterricht verändern. Das Konzept nennt sich Reframing. Es klingt sperrig, wirkt aber im Alltag erstaunlich konkret: weniger bestrafen, mehr verstehen.

Lernen mit Bewegung, Duft und Gefühl
Noch praktischer wird es bei den Workshops. Claudia Böschel spricht über gehirnfreundliches Lernen und bringt Beispiele mit, die im ersten Moment irritieren. Bewegungspausen alle 20 Minuten. Kurze Reset-Momente. Sogar Düfte sollen beim Lernen helfen. Was zunächst nach Experiment klingt, folgt klaren Erkenntnissen: Das Gehirn braucht Reize, um Inhalte zu speichern. Wer still sitzt und zuhört, lernt langsamer als jemand, der sich bewegt, fühlt und ausprobiert.
Auch Emotionen spielen eine Rolle. Dr. Marie-Luise Reinhardt plädiert dafür, Gefühle aktiv in den Unterricht einzubeziehen – nicht nur positive. Wut, Frust oder Unsicherheit können helfen, Sprache zu entwickeln. Vorausgesetzt, man nutzt sie bewusst.
Am Ende zählt das Gespräch
Am späten Nachmittag wird klar, was diese Konferenz zusammenhält. Es ist kein neues Lehrwerk, kein digitales Tool und auch keine Methode allein. Es ist die Überzeugung, dass Lernen Beziehung braucht. Oder, wie Obermayr es formuliert: Schülerinnen und Schüler sind keine Gegner, sondern Partner. Eine Haltung, die simpel klingt – und doch den Unterschied macht.
Die Bilingual Education Conference zeigt damit vor allem eines: Gute Bildung entsteht nicht durch perfekte Systeme. Sondern durch Menschen, die miteinander sprechen.
Foto – Person reicht blauen Ball weiter ©2026 Volker Watschounek
Weitere Informationen zu Bilingual Education Conference.
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Mehr von Stephanie Mock-Haugwitz.

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