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Tag der offenen Tür: Welche Schule passt zu mir?

Gymnasium oder Realschule, G8 oder G9? Beim Tag der offenen Tür der Obermayr-Schulen in Wiesbaden erfuhren Viertklässler und ihre Eltern, wie vielfältig Bildungswege sein können. Kleine Klassen, digitales Lernen und individuelle Förderung standen im Mittelpunkt. Doch welche Schule passt zu wem?

Volker Watschounek 2 Stunden vor 0 5

Schulwechsel

Wer nach der vierten Klasse die Schule wechselt, steht vor einer ziemlich großen Entscheidung. Dabei wissen viele Zehnjährige noch gar nicht, was sie später einmal machen möchten. Müssen sie auch nicht, findet Dr. Obermayr, der am vergangen Samstag an der Obermayr Europa Schule in Erbenheim beim Tag der offenen Tür das Bildungskonzept seiner Schule vorstellte. Entscheidend sei vielmehr, dass Kinder ihren eigenen Lernweg finden, Erfolge erleben und die Freude am Lernen behalten.

Dass das nicht immer einfach ist, dürfte vielen Schülerinnen und Schülern bekannt vorkommen. Manche verstehen eine Matheaufgabe sofort, andere brauchen mehrere Anläufe. Einige lernen gerne Sprachen, andere interessieren sich stärker für Naturwissenschaften, Musik oder Sport. Warum also sollten alle denselben Weg im gleichen Tempo gehen?

Mehrere Wege führen zum Abitur

Die Obermayr-Schulen setzen auf unterschiedliche Bildungswege. Neben der Realschule gibt es ein Gymnasium mit achtjähriger und neunjähriger Schulzeit, also G8 und G9. Hinzu kommen die gymnasiale Oberstufe und ein berufliches Gymnasium mit den Fachrichtungen Wirtschaft und Gesundheit.

Besonders wichtig ist der Schulleitung die Möglichkeit, zwischen Bildungswegen zu wechseln. Wer zunächst die Realschule besucht, soll später ebenfalls die Chance auf das Abitur haben. Umgekehrt kann ein Wechsel vom Gymnasium in die Realschule sinnvoll sein, wenn sich Anforderungen und persönliche Entwicklung nicht mehr gut miteinander vereinbaren lassen.

Obermayr machte in seinen Ausführungen deutlich, dass schulischer Erfolg nicht allein von guten Noten abhängt. Gerade während der Pubertät verändern sich Interessen, Motivation und Lernverhalten. Ein Kind, das in der Grundschule problemlos mitkommt, kann mit 13 Jahren plötzlich andere Prioritäten entwickeln. Statt ausschließlich auf Leistung und Defizite zu schauen, müsse Schule deshalb auch Anerkennung vermitteln. Denn wer ständig hört, was er nicht kann, verliert irgendwann die Motivation.

Kleine Klassen, mehr Aufmerksamkeit?

Frau Gottlieb aus der Verwaltung erklärt einem Vater was er wo am Tag der offenen Tür findet.

Ein Vorteil, den die Schule hervorhebt, sind die überschaubaren Klassengrößen. Nach Angaben der Schulleitung lernen in den Klassen üblicherweise höchstens 22 bis 23 Jugendliche. In einzelnen Realschulklassen sind es sogar nur elf bis 13.

Das klingt zunächst nach guten Bedingungen: Lehrkräfte können Fragen schneller beantworten, Schwierigkeiten früher erkennen und Schülerinnen und Schüler individueller unterstützen. Allerdings garantiert eine kleine Klasse allein noch keinen guten Unterricht. Entscheidend bleibt, wie die vorhandene Zeit genutzt wird.

Dazu gehört bei Obermayr auch ein Unterrichtskonzept, das auf selbstständiges Lernen setzt. Schülerinnen und Schüler erhalten Materialien über eine digitale Lernplattform und können sich mit Übungsklausuren auf Leistungsnachweise vorbereiten. Diese sollen mindestens eine Woche vorher bereitstehen.

Die Idee dahinter: Wer weiß, was verlangt wird, und ausreichend Gelegenheit zum Üben bekommt, kann sich gezielter vorbereiten. Die Verantwortung für den eigenen Lernerfolg liegt damit allerdings auch stärker bei den Jugendlichen selbst.

Zwischen KI, Handschrift und klassischem Lernen

Wie viel Digitalisierung braucht eine moderne Schule? Auch diese Frage spielte beim Tag der offenen Tür eine Rolle. Die Obermayr-Schulen hatten bereits vor der Corona-Pandemie eine digitale Lernplattform eingerichtet und diese anschließend ausgebaut. Digitale Classrooms und ein erweitertes Informatikangebot sind an den Obermayr Schulen Alltag. Nach Angaben der Schulleitung wurden auch die Schulinhalte weiter entwickelt – insbesondere der Informatikunterricht in der Mittel- und Oberstufe.

Gleichzeitig hält die Schule an klassischen Fähigkeiten fest. Rechtschreibung, lesbare Handschrift und sicheres Rechnen sollen nicht hinter digitalen Anwendungen verschwinden. Darin steckt eine aktuelle Bildungsfrage: Wenn künstliche Intelligenz Texte formulieren und Programme Rechenaufgaben lösen können, was müssen Schülerinnen und Schüler noch selbst beherrschen?

Die Antwort der Schule fällt vergleichsweise eindeutig aus. Digitale Werkzeuge können das Lernen unterstützen, grundlegende Kenntnisse und eigenständiges Denken aber nicht ersetzen.

Lernen findet nicht nur im Klassenzimmer statt

Beim Rundgang über den Campus konnten die Besucher erleben, dass Schule mehr ist als Mathematik, Deutsch und Englisch. Auf dem Programm standen unter anderem naturwissenschaftliche Experimente, Informatik, Musik und eine Kunstausstellung. Auch das schuleigene Theater gehört zu den Besonderheiten. Dort gibt es eine Bühne mit professioneller Beleuchtung. Musik und Theater sollen Jugendlichen die Möglichkeit geben, Talente zu entdecken, die sich nicht unbedingt in Klassenarbeiten zeigen.

Eltern sollen mitreden – Jugendliche aber auch

Dass Schule nur funktioniert, wenn Lehrkräfte, Eltern und Jugendliche miteinander sprechen, betonte auch der Elternbeirat. Sein Vorsitzender lobte besonders die kurzen Kommunikationswege. Probleme könnten häufig unmittelbar mit Lehrkräften oder der Schulleitung besprochen werden. Als Beispiel schilderte er, wie eine Lehrkraft seinem Kind von sich aus zusätzliches Übungsmaterial zur Verfügung gestellt habe.

Solche Erfahrungen sind wertvoll, bleiben aber zunächst persönliche Eindrücke. Wie gut eine Schule tatsächlich zu einem Kind passt, zeigt sich meist erst im Alltag – wenn Hausaufgaben anstehen, Freundschaften entstehen oder die erste schlechte Klassenarbeit zurückkommt. Deshalb war die wichtigste Aufforderung des Elternbeirats an die Besucher denkbar einfach: Fragen stellen. Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig.

Elternbeirat der Obermayr Europa Schule, Campus Erbenheim

Die richtige Schule ist nicht immer die mit dem höchsten Abschluss

Am Ende des Tages ging es um eine Frage, die sich nicht mit einer Informationsbroschüre beantworten lässt: Welche Schule ist die richtige? Ein anspruchsvoller Bildungsgang kann motivieren, aber auch überfordern. Ein zusätzlicher Lernweg kann Zeit kosten, zugleich aber Raum schaffen, um Interessen zu entwickeln und Selbstvertrauen aufzubauen.

Die Obermayr-Schulen wollen mit ihren unterschiedlichen Schulformen genau diese Möglichkeiten offenhalten. Ob das im Alltag gelingt, müssen Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern selbst beurteilen.

Für die Viertklässler, die beim Tag der offenen Tür durch die Unterrichtsräume gingen, bleibt deshalb vor allem eine Erkenntnis: Die Entscheidung für eine weiterführende Schule ist wichtig. Aber sie muss nicht darüber bestimmen, was aus einem Menschen wird.

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